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An den alten Flussfischereien entlang bequem durch eine einzigartige Naturlandschaft am Tejo wandern

Direkt am Belver Staudamm, einem aus den 1950er Jahren stammenden kleinen Wasserkraftwerk, liegt der nette Campingplatz Parque de Campismo Municipal de Ortiga, der sich perfekt eignet, um einige gemütliche Ferientage mit der ganzen Familie zu verbringen. Nur ein paar Schritte hinab zu einem blinden Seitenarm des Tejo, schon steht Ihr vor dem hübschen Flussstrand Praia Fluvial de Ortiga, der sogar über einen vom Fluss abgegrenzten Bereich verfügt, in dem relativ gefahrlos gebadet werden kann.

Uns hält jedoch nicht nur das winterlich frische Wetter vom Baden ab, sondern auch der Gedanke daran, dass der Tejo bereits durch halb Spanien bis hierher geströmt ist und am Wegesrand auch das Atomkraftwerk Almaraz passiert hat, welches zuletzt 2015 versehentlich radioaktives Wasser in den Tejo geleitet hatte.

Wir halten uns also rechts, spazieren neugierig über den Bahnübergang neben dem schönen alten Bahnhofsgebäude, in dem jetzt das beliebte Restaurant Lena untergebracht ist und nähern uns dem Tejo, der hier zwar schon recht breit ist, nicht jedoch vergleichbar mit der Breite die er auf seinen letzten Metern vorm Ozean in Lissabon aufbringen kann. Links geht es nun stromaufwärts zu dem nicht hübschen, aber doch imposanten Wasserkraftwerk und über den Damm auf schmaler Straße auch ans andere Tejo-Ufer, wo ein weiterer schöner Wanderweg angelegt wurde, der Trilho da Barragem à Praia do Alamal.

Wir schlendern jedoch rechts entlang, folgen den Wegweisern zu den Passadiços de Ortiga und erreichen diesen, dem Tejo-Ufer stromabwärts folgenden Holzstegweg schon wenig später. Sofort staunen wir über die besondere Landschaft, über die er hinweg führt. Felsige Uferbereiche aus Schiefer mit kleinen und größeren Teichen, Büschen und Bäumen.

Diese Jahrhundertealten Fangplätze machten sich die besonderen Strömungseigenschaften des Tejo in diesem Gebiet zu nutze. Die Fischer sorgten dafür, dass es an diesem Ufer des Tejo eine starke Gegenströmung gab, so dass die Fische auf dem Weg zu ihren Laichplätzen diese günstigere Route wählten und dann leicht gefangen werden konnten. 20 Fischereien könnt Ihr hier noch ausmachen. Sie bestehen jeweils aus zwei mehr oder weniger sichtbaren Mauern, die senkrecht zum Strom verlaufen und in der Vergangenheit dem Fischfang dienten.

Heute gibt es kaum Fische hier. Der Tejo ist noch immer nicht sauber genug und vermutlich behindern auch die verschiedenen Staustufen die Fische auf dem Weg zu ihren Laichplätzen. Ihr könnt aber sehr entspannt auf dem Holzbohlenweg über die eigentlich schwer zugängliche Landschaft spazieren und hier und dort gemütlich pausieren, denn es wurden auch einige idyllische Sitzgelegenheiten angelegt.

Der Weg endet am Miradouro da Boavista, wo es einen kleinen Picknicktisch mit Bänken gibt, schattig und mit hübschen Blick über den Tejo. Von hier aus sind noch weitere Wandermöglichkeiten denkbar und Ihr könnt einen anderen Rückweg nehmen oder weiter flussabwärts bis zum Bahnhof Estação de Ortiga wandern und dann den Zug nehmen, um zum Ausgangspunkt zurück zu gelangen.

Zwanzig bzw. dreißig Kilometer flussabwärts laden die gemütlichen Städte Abrantes und Constância zu einem Besuch ein. Noch ein paar Kilometer weiter findet Ihr die imposante Festung Castelo de Almourol auf einem Felsen mitten im Fluss. Flussaufwärts hingegen lohnt sich ein Besuch des schönen Städtchens Belver mit seiner Burg hoch über dem Tejo. In der Umgebung findet Ihr viele weitere gut ausgeschilderte Wege zum entspannten Wandern, unter anderem auch den schönen Holzstegweg Passadiço de Alamal.

Parque de Campismo Municipal de Ortiga
GPS: 39.48270825968175, -8.003092730397034
Facebook: facebook.com/Parque-Campismo-de-Ortiga-480556488784640/

Startpunkt Passadiços de Ortiga
GPS: 39.480291967250174, -8.003949088014338

Mitbringen
Picknick, Wasser, je nach Jahreszeit Sonnencreme

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2 Kommentare

Marie Schade 7. Juni 2022 at 20:17

Hallo Jens,
wieder einmal zeigst Du uns Gegenden von Portugal, die man normalerweise nicht entdecken würde und die völlig neue Aspekte von dem wunderschönen Land bringen. Diesen Ausflug auf Holzstegen durch unbekannte Gebiete kann man offensichtlich auch ohne besondere Anstrengungen und Tourenerfahrung machen. Vielen Dank dafür.
LG Marie

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Jens 7. Juni 2022 at 23:15

Ja, Marie, Holzstegwege sind in Portugal sehr in Mode gekommen und es macht Freude, sie zu benutzen. Auch weil sie oft durch ansonsten unberührte Natur gebaut sind, so wie hier. Dieser ist zwar nicht sehr lang, aber doch perfekt für einen hübschen Spaziergang mitten in der Natur. Und meist sind auch ein paar Bänke eingebaut, so dass Du hier und dort einfach mal ausruhen kannst, eventuell sogar picknicken und die Stille und die Aussicht genießen. Herzliche Grüße aus Lissabon, Jens

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