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Über die 8,5 Kilometer langen Passadiços do Paiva durch die Serra da Freita

Seit einigen Jahren hören wir immer wieder von diesem ungewöhnlichen Wanderabenteuer nahe dem Douro-Tal in Portugals Norden. Ungewöhnlich schon deshalb, weil das Wandern in Portugal eher nicht so beliebt ist, wie in Nordeuropa. Dies mag vielleicht verwundern, wenn man allerdings einmal eine Wanderung durch sommerliche portugiesische Wälder getätigt hat, versteht man das weit verbreitete Desinteresse, denn Hitze und wenig Schatten sind die permanenten Begleiter jeder Wanderung. So führt auf viele Gipfel Portugals eher eine Straße, als ein Wanderweg. Trotzdem lässt es sich in diesem Land herrlich wandern, vor allem in den vielen Bergen Nordportugals, wenn man eben nicht gerade nur im Sommer zugegen ist.

Eine prächtige schwarzgrüne Libelle mit großen blauen Augen schwirrt vorbei, einige Meter entfernt, schräg über uns ein grünbrauner Girlitz, der sein schönes Lied mit großem Enthusiasmus vorträgt. In der Ferne Ziegengemecker und seit Millionen von Jahren ohne jegliche Unterbrechung das kräftige Rauschen der Paiva.

Die Passadiços do Paiva sind innerhalb Portugals längst kein Geheimtipp mehr. Sie gewinnen seit 4 Jahren den Oscar der innovativsten europäischen Touristenattraktionen (World Travel Award) und spätestens seit sie 2017 einem Waldbrand zum Opfer fielen, wurden sie durch die portugiesischen Medien landesweit bekannt gemacht. Gerade wird in einer Höhe von 175 m über dem Fluss und mit 516 Metern Länge, eine der größten Fußgängerhängebrücken der Welt über das Tal der Paiva gebaut. Die dafür erforderlichen beiden, weit sichtbaren Betonaufhängungen wirkten auf uns allerdings eher befremdlich. Die Brücke soll noch im Jahr 2019 eröffnet werden.

Wir haben uns an einem langen Wochenende im Juni, dass durch Lissabons Stadtheiligen nur in der Hauptstadt zum langen Wochenende wurde, auf den Weg nach Norden aufgemacht und ein sehr schönes, kleines Ferienhaus im Douro-Tal gemietet. Von dort war die Anfahrt mit etwa einer Stunde kurvenreicher Fahrt durch die Serra da Freita vergleichsweise kurz. Der Parkplatz an einem der Endpunkte des Laufstegwegs, dem Flussstrand Areinho, ist großzügig angelegt, aber doch an diesem Wochentag relativ voll. Direkt daneben gibt es eine hübsche Strandbar, wo man den Beginn der Wanderung leicht noch ein wenig hinauszögern kann.

Der Paiva Canyon

Ein kleiner Weg führt dann flussabwärts und nach wenigen Metern sieht man bereits die beeindruckende Holztreppenkonstruktion, die die Wandernden hier atemlos an den höchstgelegenen Streckenabschnitt befördern. Dieser erste Aufstieg ist anstrengend, aber durchaus bequem. Von hier oben kann man dann auch das Ziel der Hängebrücke auf der gegenüberliegenden Talseite erspähen und sich vorstellen, wie viel Mut eine Brückenüberquerung hier bald kosten wird.

Längste frei schwebende Fußgängerhängebrücke der Welt

Wir spazieren nun gemütlich an einer sestierenden Ziegenherde vorbei und klettern die Holzstege und Treppen hinab ins Tal, in einen Abschnitt ohne Straßen und Dörfer, nur eingeklemmt zwischen steilen Hängen, Felsen und Fluss. Aber doch kaum gefährlich und ziemlich bequem.

Picknick an der Paiva

Nun wandern wir Kilometer um Kilometer, treffen hin und wieder Gruppen, die aus der Gegenrichtung kommen, picknicken am Wegesrand und sorgen uns, als man uns gegen 18 Uhr erklärt, dass wir noch immer nicht die Hälfte der Strecke bewältigt haben. Diese wird markiert durch einen weiteren hübschen Flussstrand (Praia fluvial do Vau) und eine einladende Hängebrücke, die zur anderen Flussseite führt.

Etwas später kommen wir an die beeindruckende Stromschnelle Gola do Salto, an der die Paiva durch ein enges Felsentor schießt, ein Ort, der gerne für Wildwasser-Rafting genutzt wird. Hier kann man von einer kleinen Aussichtsplattform direkt über der Stromschnelle hinunter in das sprudelnde Inferno schauen. Ganz entspannt geht es dann auf recht wagerechten Laufstegen dem Ende des Weges in Espiunca entgegen, wo eine weitere hübsche Open-Air-Bar die müden Wandernden empfängt. Von hier kann man dann mit einem Taxi die kurvenreiche Rückfahrt zum Ausgangspunkt antreten.

Den iberischen Wolf und auch den Fischotter haben wir leider während unserer Wanderung nicht erspäht, wohl aber einige hübsche Vögel und eine Vielzahl von Insekten. Lia hat über 36 Raupen gezählt, außerdem einige schöne Steine mit Quartzeinschlüssen kilometerweit transportiert und begeistert Äste in den Fluss geworfen. Unserer knapp 4 jährigen Laura war der Weg zu lang und auch zu langweilig, und obwohl sie den größten Teil der Strecke getragen wurde, will sie sobald keine “Brücken” mehr sehen.

Der Arouca Geopark, zu dem das Paiva Flusstal zählt, wurde 2009 von der UNESCO als geologisches Erbe der Menschheit anerkannt und bietet viele weitere Abenteuer für Familien, Wanderungen, spannende Museen und ein paar ausgesprochen hübsche, traditionelle Dörfer. Auch das nahe Douro-Tal hat einiges zu bieten. Wir haben den folgenden Tag in dem kleinen Vergnügungspark Magikland nördlich des Douro in Penafiel verbracht, der Attraktionen vor allem für kleinere Kinder bietet.

Tickets:
Am besten rechtzeitig vorab im Internet erwerben, da es nur eine beschränkte Anzahl pro Tag gibt: reservas.passadicosdopaiva.pt
(Ab 10 Jahren 2 Euro/Person)
Sollten bereits alle Tickets ausverkauft sein, so können einige umliegende Restaurants bei Besuch weitere Tickets verkaufen.

Öffnungszeiten:

April
Wochentags: 9:00 – 18:00 Uhr
Wochenende, Feiertage: 9:00 – 19:00 Uhr

Mai bis September
Täglich: 8:00 – 20:00 Uhr

Oktober bis März
Täglich: 9:00 – 17:00 Uhr

Weitere Informationen:
passadicosdopaiva.pt

Restaurants unmittelbar am Weg:

Areinho Bar
Praia Fluvial do Areínho
Geöffnet: 8:00 – 2:00 Uhr
facebook.com/areinhobar/

Bar Dos Passadiços
Espiunca
Geöffnet: 9:00 – 19:00 Uhr
facebook.com/Bar-dos-Passadiços-501484783341886/

Start: 40.952868, -8.176916
Ende: 40.992798, -8.211443

Arouca Geopark:
Webseite: aroucageopark.pt

Anfahrt:
Mit dem Auto zum Startpunkt des Weges (Praia Fluvial do Areínho, diese Laufrichtung ist günstiger, da man den schwersten Teil der Wanderung dann direkt am Anfang hat). Taxis bringen die Wandernden für etwa 15 Euro pro Fahrt zurück zum Ausgangspunkt.

Beobachtbare Tiere:
Iberischer Wolf, Fischotter, viele Vogelarten (z.B. Girlitz, Wasseramsel)

Unterwegs:
Der Weg besteht größtenteils aus Holzlaufstegen und Treppen. Ein leichter, faltbarer Kinderwagen kann dennoch auf mindestens zwei Dritteln des Weges eingesetzt werden.

Brücke über die Paiva

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