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Muscheln sammeln, sich in die Wellen stürzen und Bootsfahrt durch die Ria Formosa

Diese Insel, die wie ihre Schwesterinsel, die Ilha da Armona, auch nach einer halben Stunde Bootsfahrt von Olhão aus erreicht werden kann, ist ebenfalls bewohnt. Sie ist allerdings weitaus weniger touristisch erschlossen, als die Ilha da Armona. Dies mag auch darauf zurück zu führen sein, dass große Teile der Insel bis 1998 als militärischer Übungsplatz genutzt wurden. Leider ist eine solche Nutzung seit kurzem wieder im Gespräch und könnte die Stille und den Frieden, den Culatra in den letzten Jahrzehnten ausstrahlte, erheblich stören.

Sie klettern geschmeidig auf das Geländer der Anlegestelle, verharren dort Minuten, suchen nach interessierten Augen, warten auf den richtigen Moment, stoßen sich kraftvoll ab und springen begeistert in die dunklen Fluten.

Auf Culatra gibt es eine Schule, eine Bibliothek, eine Kirche und ein Stadion und der Alltag wird hier weniger vom Tourismus bestimmt, als auf allen anderen Inseln der Ria Formosa. Ursprünglich aus Ansammlungen von einfachen Fischerhütten entstanden, entwickelten sich die Orte auf Culatra langsam zu richtigen Ortschaften, die allerdings bis spät ins 20. Jahrhundert hinein weder über Elektrizität, Wasserleitungen, noch über ein Abwassersystem verfügten und auch außerhalb jeglicher Polizei-Zuständigkeit ihre eigene Sicherheit organisieren mussten.

Es befinden sich 3 kleine Ortschaften auf der Insel, Culatra, der größte Ort, Hangares, eine kleine Ansammlung von Häusern direkt am militärischen Sperrgebiet und weit dahinter Farol, ein weiterer Ort mit einem 47 Meter hohen und somit weit sichtbaren Leuchtturm, nachdem er auch benannt wurde. Culatra und Farol werden von dem Boot aus Olhão relativ häufig angefahren und Ihr könnt zwischen den beiden Orten einen friedlichen und ausgedehnten, etwa 4 Kilometer langen Strandspaziergang unternehmen. Ohnehin erfolgt die Rückfahrt von Culatra nach Olhão immer über Farol.

Wir gehen im kleinen Hafen von Culatra von Bord und spazieren gemütlich durch das sympathische kleine Dörfchen. Herrlich, dass es hier keine Autos gibt und unsere Kinder überall herumlaufen können, ohne dass wir uns Sorgen machen müssen. Nach einer Viertel Stunde Spaziergang erreichen wir die Schule von Culatra, eines der letzten Häuser vorm Strand und sind überwältigt von dem Gedanken, dass Kinder hier, zwischen Dorf und Strand tatsächlich Schule haben können. So außergewöhnlich und so idyllisch!

Nun führt uns ein bequemer Holzstegweg über eine Dünenlandschaft, die fast schon wüstenhaft anmutet. Wir ahnen noch nicht, wie anders sich diese Landschaft uns auf dem Rückweg darbieten wird, denn mit der Flut am Abend, führt der gleiche Holzstegweg über kleine Flüsse und Tümpel, die sich immer weiter vergrößern.

Am wunderschönen Strand selbst verbringen wir dann einen sehr schönen Tag und als es schließlich Abend wird, treibt uns nur die Sorge an, das letzte Boot nicht zu verpassen. Gemütlich liegt das Dorf jetzt in der Dämmerung. Die einladenden Restaurants in Hafennähe sind mäßig gefüllt. Am Hafen springen ein paar Jungen vom Anlegesteg ins Wasser. Die Bootsmannschaft hält sie so gut es geht auf Abstand zum Boot, aber die Jungen wollen wohl gerade den Leuten auf dem Boot ihren Mut beweisen und nutzen jede Gelegenheit, direkt am Boot ins Wasser zu springen.

Die Ilha da Culatra ist eine herrliche, stille Insel der Ria Formosa. Selbst im August, wo die gesamte Algarve von ausländischen und inländischen Touristen überlaufen wird, ist sie keineswegs gut besucht. Sie hat sich viel Natürlichkeit bewahrt und kaum irgendwo an der Algarve kann man so authentisch dem Insel-Leben nachspüren, wie hier. Wir fahren wehmütig durch die dunkle Ria, sehen einen Schwarm Störche in Formation nach Westen fliegen, die Sonne geht über dem Festland unter und wir sind sicher, dass wir bald wieder hierher kommen werden. 

Überfahrt zur Insel:
Die Anreise erfolgt mit dem Boot vom Hafen in Olhão und dauert 30 Minuten. Boote verkehren im Sommer etwa alle zwei Stunden. Der aktuelle Fahrplan: www.olhaocubista.pt/horariobarcos.htm

GPS (Parkplatz direkt am Bootsterminal):
37.024089, -7.836370
Direkt vor dem Bootsterminal gibt es kostenpflichtige Parkplätze, die jedoch zumeist nicht frei sind. Kaum 100 m weiter hingegen befindet sich ein großer Parkplatz, der kostenfrei ist. Im Sommer ist dieser jedoch auch recht voll.

Mitbringen:
Wir empfehlen, unbedingt einen Sonnenschirm, UV-T-Shirts für die Kinder und Sonnencreme mit einem minimalen Schutzfaktor von 50 mitzubringen, denn die Sonne ist hier sehr kräftig.

Verpflegung:
Am Strand selbst, sowie im Hafenbereich von Culatra gibt es einige gemütliche Bars und Restaurants.

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Jens

6 Kommentare

Miriam 13. Mai 2022 at 9:12

Lieber Jens,
Ich bin ein großer Portugal-Fan, aber von dieser kleinen Insel habe ich noch nie gehört. Bei der nächsten Tour an die Algarve kommt das auf jeden Fall auf die Liste – ich mag es gerne, solch eher natürliche Orte zu erkunden und dem Massentourismus mal kurz zu entfliehen.
Liebe Grüße
Miriam von Nordkap nach Südkap

Antworten
Jens 13. Mai 2022 at 9:50

Liebe Miriam,
ja, da hast Du recht. Mir ist es auch oft zu trubelig an der Algarve. Und ich brauchte tatsächlich auch ein paar Jahre, bis ich von Culatra gehört habe, vielleicht weil sie touristisch nicht so viel zu bieten hat, wie ihre Schwesterinseln. Wenn Du es einrichten kannst, würde ich Dir empfehlen, dort eine Übernachtung zu buchen. Ich habe das zwar auch noch nicht gemacht, stelle es mir aber sehr entspannt vor.
Herzliche Grüße aus Lissabon,
Jens

Antworten
Gabriele Tröger 10. Mai 2022 at 17:48

Lieber Jens, das sieht ja spannend aus und zudem auf den ersten Blick in Teilen eher afrikanisch als europäisch. Merken wir uns auf jeden Fall vor für den Fall, dass es mal ganz entspannt sein soll. Noch nie gehört von dieser Insel. Herzlichen Dank für den Beitrag und viele Grüße, Gabi und Michael

Antworten
Jens 10. Mai 2022 at 23:06

Ja, da müsst Ihr wirklich mal einen Zwischenstopp einlegen. Am besten im Frühling, wenn es warm und das ganze Dorf voller blühender Sträucher und Blumen ist. Und richtig, Afrika ist von hier nur 216 Kilometer Luftlinie, direkt hinter dem Golf von Cádiz. Ich finde ja, dass schon das Alentejo im Norden gerne nach Afrika aussieht. Herzliche Grüße, Jens

Antworten
Marie Schade 10. Mai 2022 at 17:11

Hallo Jens,
wieder einmal stellst Du uns ein Kleinod Portugals vor, das ich sonst nicht entdeckt hätte. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag. Ich liebe Portugal und seine Bewohner und kenne viele Orte, aber die von Dir gesehenen schönen und ruhigen Orte lohnen auf jeden Fall, und Portugal ist nicht so weit enfernt.
LG Marie

Antworten
Jens 10. Mai 2022 at 22:57

Danke Dir, liebe Marie! Ja, die Insel Culatra ist sogar besonders gut erreichbar, weil Du vom Flughafen Faro in einer Viertelstunde am Fähranleger in Olhão sein kannst und wenn Du Glück hast eine halbe Stunde später auf dem Bootsquai von Culatra.
Herzliche Grüße, Jens

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